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Informatik-Lexikon
Normsprache
Nullfenster-Suche
Erläuterung
Eine Normsprache ist eine konstruierte Sprache,die durch methodische
Rekonstruktion einer in einem Anwendungsbereich eingesetzten natürlichen
Sprache (Gemeinsprache oder Fachsprache) gewonnen wird, z.B., indem vage
und homonyme Benennungen entfernt und synonyme Benennungen nur in kontrollierter
Form zugelassen werden. Sie stellt nicht das Ergebnis der Normungsarbeit
einer Normungsorganisation wie z.B. des Deutschen Instituts für Normung
(DIN) dar, sondern ist das Resultat unternehmensinterner Normierungsbestrebungen.
Man könnte demzufolge statt von Normsprache" auch von
Unternehmensnormsprache" oder genormter Unternehmens(fach)sprache"
sprechen,wobei Unternehmen" hier im weitesten Sinne zu interpretieren
ist.
Das Besondere an einer Normsprache im Vergleich zu formalen Sprachen
ist ihr materialsprachlicher Charakter. Dieser besagt, daß eine
Normsprache im Hinblick auf ihr konkretes Anwendungsgebiet nicht nur in
ihrer Grammatik (formaler Teil) sondern auch in ihrem Bestand zulässiger
Wörter (materialer Teil) der einem bestimmten Anwendungsgebiet
(z.B. Betriebswirtschaftslehre, Medizin) zugeordnet ist zur Bildung
korrekter Aussagen über dieses Gebiet vorher festgelegt wird [10].
Zur Festlegung des Wortschatzes wird ein entsprechendes Wörterbuch
aufgebaut und gepflegt. Dagegen beschränken sich formale Sprachen
auf die Festlegung der Grammatik (Satzbaupläne) gültiger Aussagen
eines Anwendungsgebiets. Ausdrücke in einer formalen Sprache sind
deshalb allein gültig aufgrund ihrer Form, unabhängig davon,
welche Fachwörter sie enthalten.
Die Wörter der Normsprache unterscheiden sich von Wörtern
der natürlichen Sprache grundsätzlich darin, daß sie nicht
erst in einem bestimmten Anwendungskontext eine bestimmte Bedeutung annehmen,sondern
als Terminologie eines Gegenstandsbereichs für stets dieselbe Verwendung
vorgesehen sind [3]. Die Kernidee einer Normsprache
lautet somit,eine normierte Sprache, die permanent an die Unternehmensverhältnisse
anzupassen ist, zur besseren Kommunikation in und zwischen Organisationen
einzuführen, deren Verwendung obligatorisch sein muß. Eine
Verbesserung der Kommunikation innerhalb eines Unternehmens wird aufgrund
des gemeinsamen Gebrauchs einer Normsprache durch alle Unternehmensangehörigen
dadurch erzielt, daß mit Hilfe der genormten Terminologie Mißverständnisse
bei der Benennung von Situationen und Gegenständen vermieden werden.
Ein wichtiges Einsatzgebiet von Normsprachen ist die Entwicklung rechnerunterstützter
Informationssysteme. Die entsprechende Entwicklungsarbeit erfordert eine
intensive Kommunikation zwischen Anwendern und Entwicklern, um Aussagen
über das Anwendungsgebiet zu erheben, aus denen alle weiteren Entwicklungsergebnisse
ohne Beteiligung der Anwender abgeleitet werden können.
Problematisch ist, daß sich die von Anwendern und Entwicklern bevorzugt
eingesetzten Sprachen stark voneinander unterscheiden. Während Anwender
in einer gewachsenen, natürlichen Sprache kommunizieren, werden von
den Entwicklern künstliche, konstruierte Sprachen (z.B. Diagrammsprachen)
wegen ihrer formalen Eindeutigkeit" bevorzugt [10].
Demzufolge können Informationssysteme nur dann effizient und den
Anwendern angemessen konstruiert werden, wenn die Sprachlücke zwischen
gewachsenen und konstruierten Sprachen durch eine Sprache geschlossen
wird, die sowohl Anwender als auch Entwickler verstehen können [1].
Zur Schließung dieser Lücke wird die Einführung einer
sowohl in ihrer Grammatik als auch bezüglich ihres Wortschatzes gegenüber
der natürlichen Sprache eingeschränkten, dennoch aber vertraut
wirkenden reglementierten Sprache in Gestalt der Normsprache vorgeschlagen,denn
eine höchstmögliche Klarheit des angestrebten Ausdrucks ist
mit den gegebenen Formen der natürlichen Sprache nicht zu erreichen
[12]. Eine solche reglementierte Sprache sollte
deshalb so aufgebaut sein, daß es den Anwendern nicht schwerfällt,
die gegenüber der natürlichen Sprache erforderlichen Einschränkungen
in Grammatik und Wortschatz zu akzeptieren [10].
In der Praxis wird der normsprachliche Ansatz sowohl auf der Ebene der
eingesetzten Sprachen als auch auf der Ebene der Sprachprodukte (der Ebene
der Ergebnisse sprachlich basierter Entwicklungsarbeit) schon teilweise
eingesetzt. Auf der Ebene der Sprachen ist neben dem beschriebenen konstruktivistischen
Ansatz mit einer normierten Terminologie und festgelegten Satzstrukturen
an die Normierung von Datenelementen [9], an die
Verwendung von Terminologien und Ontologien in der Künstlichen Intelligenz
(KI) [2, 13] sowie an
die in der komponentenorientierten Entwicklung von Informationssystemen
verwendeten Anwendungselemente (Business Objects) [7]
zu denken. Auf der Ebene der Sprachprodukte sind der Aufbau von Unternehmensdatenmodellen
bzw. Branchendatenmodellen, der Einsatz von Produktdatenmodellen (z.B.
STEP) und der Einsatz von Referenzmodellen (z.B. das SAP R/3-Referenzmodell)
zu nennen. Diese normsprachlichen Sprachprodukte basieren jedoch auf einer
formalen und keiner materialen Sprache, denn das Spektrum zulässiger
Wörter wird nicht separat, d.h. neutral gegenüber ihrem Einsatz
in Anwendungen, als Teil der Entwicklungssprache festgelegt.
Die Benennung Normsprache" selbst geht auf Schienmann [11]
zurück,der sie anstelle der von Lorenzen [5,
6] eingeführten Benennung Orthosprache"
(gr.: orthos,richtig) verwendet, um nicht den falschen Eindruck zu erwecken,
eine Normsprache sei die einzig richtige Sprache, etwa im Sinne einer
Idealsprache. Als Idealsprache wiederum gilt eine durch geeignete syntaktische
und semantische Normierung präzisierte und deshalb formalisierbare
Wissenschaftssprache [8]. Die Idee der Normsprache
stammt aus der konstruktiven Wissenschaftstheorie der Erlanger Schule
(W. Kamlah, P. Lorenzen u.a.). Lorenzen kam in seinen Arbeiten zu dem
Ergebnis, daß die Komplexität natürlicher Sprachen nicht
vollständig im Sinne des Programms der analytischen Wissenschaftstheorie
analysiert werden kann [6]. Statt dessen wird
die Einführung einer künstlichen Sprache vorgeschlagen und zwar
einer in ihrer Mächtigkeit der natürlichen Sprache vergleichbaren,
jedoch präziseren Sprache, die methodisch und zirkelfrei konstruiert
werden kann und den im Zusammenhang mit der Entwicklung von Informationssystemen
erhobenen Forderungen nach Eindeutigkeit und Präzision der Fachbegriffe
genügt. Die konstruktive Wissenschaftstheorie sieht vor, daß
in den Fachwissenschaften auf diese Weise jeweils präzise Fachsprachen
aufgebaut werden, die dann das wissenschaftliche Arbeiten unterstützen
und gleichzeitig den wissenschaftlichen Charakter dieser Arbeiten unterstreichen.
Im Bereich der Informatik hat erstmals Wedekind die Idee der Normsprache
(respektive Orthosprache) verwendet [14] und
in einem Lehrbuch für den Bereich der Datenbanksysteme [15]
umfassend ausgearbeitet.
Eine ähnliche Zielsetzung wie eine Normsprache verfolgen auch fachspezifische
Programmiersprachen (Domain Specific Languages) bezogen auf formalisierte
Fachsprachen [4]. Formalisierte Fachsprachen weisen
einen sehr hohen Abstraktionsgrad auf, wie er für theoretische Grundlagenwissenschaften
und experimentelle Wissenschaften charakteristisch ist. Sie verwenden
bevorzugt künstliche Symbole als Sprachelemente. Formalisierte Fachsprachen
sind jedoch nur für spezielle Anwendungsgebiete geeignet, denn wegen
ihres hohen Abstraktionsgrads sind sie für die Kommunikation mit
Anwendern im kommerziellen Umfeld in der Regel ungeeignet, da ihre Beherrschung
durch die Anwender nicht vorausgesetzt werden kann. Eine an die natürliche
Sprache angelehnte Normsprache bietet dann wiederum die geeignete Lösung,
als gemeinsame Kommunikationsbasis zwischen Entwicklern und Anwendern
im Rahmen der Entwicklung von rechnergestützten Informationssystemen
zu dienen.
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Literatur
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Ansatz zur Entwicklung von brauchbarer Software. Informatik Spektrum
20, 5-12 (1997)
- Gruber, T.: A Translation Approach to Portable
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- Lampe, J.: Fachsprachen. Informatik Spektrum
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- Lorenzen, P.: Lehrbuch der Konstruktiven Wissenschaftstheorie,
Mannheim: BI-Wissenschaftsverlag 1987
- McDavid, D.: Business language analysis for
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- Mittelstraß, J. (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie
und Wissenschaftstheorie, 4. Bde., korr. Nachdr., Stuttgart, Weimar:
Metzler 1995
- Ortner, E., Rössner, J., Söllner, B.: Entwicklung
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- Ortner, E.: Methodenneutraler Fachentwurf,
Stuttgart, Leipzig: Teubner 1997
- Schienmann, B.: Objektorientierter Fachentwurf:
ein terminologiebasierter Ansatz für die Konstruktion von Anwendungssystemen,
Stuttgart, Leipzig: Teubner 1997
- Schnelle, H.: Sprachphilosophie und Linguistik:
Prinzipien der Sprachanalyse a priori und a posteriori, Reinbek b. Hamburg:
Rowohlt 1973
- Studer, R., Benjamins, V., Fensel, D.: Knowledge
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- Wedekind, H.: Eine Methodologie zur Konstruktion
des Konzeptionellen Schemas. In: Band zur Tagung „Datenbanktechnologie"
des German Chapters der ACM, Bad Nauheim, 21.-22.9.1979, Stuttgart:
Teubner 1979, 65-79
- Wedekind, H.: Datenbanksysteme I - eine konstruktive
Einführung in die Datenverarbeitung, 2., völlig neu bearb. Aufl., Mannheim:
BI-Wissenschaftsverlag 1981
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Frank R. Lehmann
Technische Universität Darmstadt
Fachgebiet Wirtschaftsinformatik I,
Hochschulstraße 1
64289 Darmstadt
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Erläuterung
Ein Nullfenster (engl.: null window, minimal window) ist ein bis
zur Größe Null reduziertes Suchintervall, das in der Spielbaumsuche zur
Beschleunigung der Minimaxwert-Berechnung eingesetzt wird. Während die
Vorteile des normalen, d.h. nicht-leeren Suchfensters schon seit langem
in Theorie [1] und Praxis [6]
bekannt ist, kam man erst in de 80er Jahren auf die Idee, das Suchfenster
bis zum absoluten Minimum zu reduzieren. Auf den ersten Blick mutet die
Nullfenster-Suche nicht besonders effizient an, denn sie birgt das Risiko,
daß einzelne Teile des Spielbaums mehrfach durchsucht werden müssen. Der
Mehraufwand ist jedoch gering, und er tritt so selten auf, daß die mit
dem Nullfenster erzielten Einsparungen überwiegen. Dies gilt für Zufalls-Bäume
[4, 5] und in besonderem
Maße für praktische Anwendungen, in denen heuristische Verfahren zur Knoten-Vorsortierung
für eine günstige Expansionsreihenfolge sorgen [2].
Schach, Dame und Go sind typische Beispiele für Zwei-Parteien-Null-Summen-Spiele,
in denen die Nullfenster-Suche angewendet wird. Zwei Spieler führen abwechselnd
Züge aus, bis das Spielende erreicht ist und der Gewinn entsprechend dem
Spielerfolg aufgeteilt wird. Die möglichen Spielverläufe ergeben einen
Spielbaum, dessen Knoten die Spielstellungen und dessen gerichtete Kanten
die Zugvarianten repräsentieren. Die Blätter sind mit (echten oder geschätzten)
Stellungswerten bewertet. Ein Spieler wird versuchen, seinen Gewinn zu
maximieren, während sein Gegenspieler nach dem Gegenteil, der Minimierung,
trachtet. Ziel der Baumsuche ist die Berechnung des Minimaxwertes
der Wurzel, der dem Spielergebnis der Ausgangsstellung entspricht.
Alpha-Beta
Grundlage der Nullfenster-Suche ist der Alpha-Beta-Algorithmus
[1, 3] ein tiefenorientiertes
Suchverfahren, das mittels einer ausgeklügelten Verzahnung von Knotenexpansion
und Minimax-Rückbewertung redundante Teile des Suchbaums abschneidet,
d.h. überspringt. Der Alpha-Beta-Algorithmus ist eine Erweiterung des
bekannten Branch-and-Bound-Verfahrens für Zwei-Parteien-Spiele. Er expandiert
den Baum mit zwei Schrankenwerten. Die untere alpha-Schranke entspricht
dem Mindestgewinn, den der maximierende Spieler (MAX) bei beliebigem Gegenspiel
garantiert erzielen kann. Analog bezeichnet beta den Mindestgewinn des
MIN-Spielers unter Berücksichtigung aller MAX-Reaktionen. Zusammen begrenzen
die beiden Schrankenwerte ein Intervall das (alpha,beta)-Suchfenster,
in dem der Minimaxwert des Spielbaums gesucht wird. Knoten mit einem Wert
von < alpha oder > beta werden ohne Informationsverlust abgeschnitten
(Abb. 1). (MAX-Knoten sind als Quadrate und MIN-Knoten als Kreise dargestellt;
die endgültigen Minimaxwerte befinden sich innerhalb der Knotensymbole.)
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Im Beispiel wird der rechte Nachfolger des mit >= 9 gekennzeichneten
MAX-Knoten abgeschnitten, weil hier die Schnittbedingung 9 >= beta
= 5 erfüllt ist, der MIN-Spieler also bereits eine bessere Zugvariante
mit dem Wert 5 besetzt. Analog gilt im rechten Wurzel-Nachfolger 4 <=
alpha = 5, was gleichfalls einen Schnitt ermöglicht. Den beteiligten
Schrankenwerten entsprechend unterscheidet man alpha- und beta-Schnitte.)
Fenstersuche
Je kleiner das Suchfenster, desto mehr Knoten können abgeschnitten werden.
Zwar schrumpft das anfänglich mit (- unendlich, + unendlich) initialisierte
Fenster automatisch mit jeder neuen gefundenen Zugvariante. Um den Langsamen
Schrumpfungsprozeß zu beschleunigen, kann man die Suche aber auch sogleich
mit einem reduzierten Fenster (nu - epsilon, nu + epsilon) starten, das
um einen vorab geschätzten Minimaxwert nu angeordnet ist. Diese im Englischen
als "aspiration search" bezeichnete Methode [2]
hat sich besonders gut in Kombination mit der iterativen Suche
bewährt, bei der derselbe Baum mehrfach mit sukzessiv erhöhter Suchtiefe
(1, 2, ..., d) expandiert wird. Trotz der Mehrfachexpansionen ist die
iterative Suche mit einem direkten Suche einem direkten Suchvorgang der
Tiefe d überlegen, weil die in der vorangegangenen Iteration gewonnenen
Knoten-Informationen größere Einsparungen ermöglichen. So wird u.a. der
vorhergehende Minimaxwert Nu zur Initialisierung des nächsten Suchfensters
(nu - epsilon, nu + epsilon) verwendet.
Nullfenster
Nullfenster-Suchverfahren expandieren den Baum mit einem extrem
reduzierten Suchfenster, dem sog. Nullfenster. Dabei handelt es
sich um ein leeres Such-Intervall (nu, nu + 1), das kein Element
enthält - vorausgesetzt, der Wertebereich ist ganzzahlig. Nullfenster
sind natürlich nicht zur Berechnung des Minimaxwertes geeignet, da dieser
stets außerhalb des Fensters liegt. Mit ihnen kann jedoch geprüft werden,
ob der Minimaxwert unter oder oberhalb eines gegebenen Referenzwertes
r liegt (Abb. 2).
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NegaScout [5] ist eine verbesserte Variante
von Pearls Scout-Algorithmus [4], die auf der
kompakteren Negamax-Rückbewertungsmethode beruht. NegaScout ermittelt
den ersten Blattwert als anfänglichen Referenzwert r und versucht,
mit Hilfe eines Nullfensters zu beweisen, daß die Alternativen unterlegen
sind, d.h. den Minimaxwert nicht beeinflussen können. Das ist dann der
Fall, wenn die restlichen MAX-Knotennachfolger <= r und die restlichen
MIN-Knotennachfolger >= r sind. Gelingt der Beweis, so hat NegaScout
mit minimalem Aufwand an Knotenexpansionen gezeigt, daß der Minimaxwert
= r ist. Schlägt er hingegen fehlt, muß der betreffende Unterbaum
im Rahmen einer Wiederholungssuche (engl.: re-search) noch einmal
durchsucht werden, um seinen Minimaxwert als neuen Referenzwert zu ermitteln.
Das geschieht nach demselben rekursiven Verfahren.
Auf den ersten Blick erscheint die Nullfenster-Suche ein riskantes Unterfangen,
da selbst bei guter Knoten-Sortierung Wiederholungssuchen nicht gänzlich
vermieden werden können. Empirische [2, 5]
und analytische [4, 5]
beweisen jedoch, daß die mit dem Nullfenster erzielten Einsparungen den
Mehraufwand gelegentlicher Wiederholungssuchen bei weitem übertreffen.
Die negativen Auswirkungen der Wiederholungssuche können durch Verwendung
eines möglichst engen Schrankenwertes weiter reduziert werden [2].
Der Erfolg der Nullfenster-Suche beruht darauf, daß es einfacher ist,
die Unterlegenheit eines Unterbaums zu beweisen, als seinen exakten Minimaxwert
zu berechnen (was sich im nachhinein oftmals als überflüssig herausstellt).
Dieses Vorgehen erlaubt neben den üblichen alpha- und beta-Schnitten eine
weitere Schnittart, die Nullfenster-Schnitte. In Abb. 3 expandiert
NegaScout den rechten Wurzel-Unterbaum mit dem Nullfenster (5, 6), um
zu beweisen, daß sein Wert <= 5 (dem bisherigen Referenzwert) ist.
Dabei tritt ein Nullfenster-Schnitt auf, den Alpha-Beta mit seinem größeren
Suchfenster (5, unendlich) nicht durchführen kann.
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Da NegaScout zusätzlich zu den Nullfenster-Schnitten auch die "regulären"
alpha- und beta-Schnitte realisiert, gilt die folgende Dominanzrelation:
Jeder Knoten, der von NegaScout expandiert wird, muß auch von Alpha-Beta
expandiert werden (umgekehrt jedoch nicht) [5].
Die Suche mit einem Nullfenster ist sogar optimal, und zwar in
dem Sinne, daß kein anderes Suchverfahren zur Minimaxwert-Berechnung im
statistischen Mittel weniger Knotenexpansionen benötigt [4,
5]. Das schließt auch die aufwendigen Besten-Suchverfahren
SSS* und Dual* [5] ein, die gleichfalls der reinen
Nullfenster-Suche unterlegen sind.
NegaScout profitiert von den bekannten heuristischen Verfahren zur Vorsortierung
der Knoten-Expansionsreihenfolge sowie von diversen Speichertabellen,
ohne die moderne Schachprogramme gar nicht mehr konkurrenzfähig wären,
genau diejenigen Informationen die auch zur Abkürzung (bzw. Vermeidung)
von Wiederholungssuchen erforderlich sind. Das hat zur Folge, daß NegaScout
in Bäume der Breite w und Tiefe d oft nur geringfügig mehr
als die minimale Knotenzahl w**[d/2] + w**[d/2] - 1 durchsucht [2].
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Literatur
- Brudno, A.L.: Boudaries and estimates for abridging
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- Kaindl, H., Shams, R., Horaces, H.: minimax
search algorithms with and without aspiration windows. IEEE Trans. Pattern
Anal. Mach. Intell. PAMI-13 1225-1235 (1991)
- Knuth, D.E., Moore, R.W.: An analysis of alpha-beta
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- Pearl, J.: Heuristics: Intelligent Search Strategies
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- Reinefeld, A.: Spielbaum-Suchverfahren. Informatik-Fachberichte
200, Berlin: Springer 1989
- Slate, D.J., Atkin L.R.: Chess 4.5 - The Northwestern
University chess programm, in: P.W. Frey (ed.): Chess Skill in Man and
Machine, p. 82-118. New York: Springer 1977
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Alexander Reinefeld
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