Referenzmodellierung

Betriebe sind komplexe und dynamische Systeme, für deren Gestaltung sich Informationsmodelle etabliert haben. Obgleich Informationsmodelle in allen Phasen der Systementwicklung nutzbringend eingesetzt werden können, verursacht die Modellierung zusätzliche Kosten und neue Fehlerpotentiale. Referenzmodelle sind ein probates Mittel, um die Effektivität und Effizienz von Modellierungsprozessen weiter zu erhöhen. In einer ersten Näherung kann unter einem Referenzmodell ein Informationsmodell für einen bestimmten Unternehmenstyp verstanden werden, das im Hinblick auf unterschiedliche Modellierungssituationen angepasst und wiederverwendet werden kann.

Referenzmodellierung hat eine lange Tradition. Erste Überlegungen zur Erstellung von wiederverwendbaren Unternehmensmodellen wurden bereits ab Mitte der 1960er Jahre am Betriebswirtschaftlichen Institut für Organisation und Automation (BIFOA) der Universität zu Köln geführt. Die Ergebnisse sind im Kölner Integrationsmodell (KIM) festgehalten. Das KIM zeichnet sich durch eine Datenflussorientierung mit rund 350 Aufgaben und 1450 Kanälen (Datenflüssen) aus.

Weitere entscheidende Impulse zur Referenzmodellierung lieferte Scheer. Ende der 1970 Jahre hat er Datenmodelle in Form von Datenbankstrukturdiagrammen mit rund 60 Records (Entitytypen) und 100 Sets (Beziehungstypen) entwickelt. Diese Modelle wurden in den 1980er Jahren zu einem unternehmensweiten Datenmodell (UDM) mit rund 340 Entity- und Beziehungstypen weiterentwickelt. Neben der inhaltlichen Weiterentwicklung folgte Anfang der 1990er Jahre mit der Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS) eine methodische Weiterentwicklung, bei der neben der Datenmodellierung insbesondere die Prozessmodellierung betont und intensiv betrachtet wurde. In der Neuauflage der Buches Wirtschaftsinformatik wurden folglich neben Referenzdatenmodellen auch Referenzmodelle für die Organisations-, Funktions- und Prozesssicht eingeführt, sodass eine umfassende modellbasierte Beschreibung eines Industriebetriebes aus mehreren Perspektiven vorgelegt wurde (Y-CIM-Modell). Dabei verstand Scheer die Entwicklung von Referenzmodellen nicht nur als nützliche Tätigkeit für die Praxis, sondern auch als einen „Auftakt für eine neue Betriebswirtschaftslehre“.

Ab den 1990er Jahren sind zunehmend Publikationen auf dem Gebiet der Referenzmodellierung zu verzeichnen. Heutzutage finden sich für unterschiedliche Anwendungsdomänen passende Referenzmodelle. Darüber hinaus wurden vielfältige methodische Vorschläge zur Entwicklung und Nutzung von Referenzmodellen unterbreitet.

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Redakteur für die Themenseite Referenzmodellierung:

Dipl.-Wirt.-Inf. Peter Fettke
Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) im
Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)
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Kontakt: peter.fettke@iwi.dfki.de